Lösungsorientierung ist keine „Lösung“?

Grübeln im Gedankenkarussell

Lösungsorientierung in der systemischen Beratungsarbeit bedeutet ja, sich nicht gedanklich am Problem festzubeißen,  sondern sich auf die Suche nach subjektiven Lösungsmöglichkeiten zu machen. ( vgl. systemisch = lösungsorientiert)

Aber Vorsicht: Sobald wir uns auf die Suche nach der Lösung machen,
bestätigen wir damit, dass es das Problem tatsächlich gibt - denn
es muss ja gelöst werden.
Das Problem wie auch die potenziellen Lösungen werden damit
so zu sagen "verdinglicht", wir definieren sie damit als etwas, das "so ist".

Das widersrpicht nicht nur den Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Forschung. Wenn wir darüber nachdenken, können wir auch aus unserer Lebenserfahrung heraus zu der Erkenntnis gelangen, dass „Probleme“ oft eher eine Frage der persönlichen Betrachtungsweise und Bewertung sind, als etwas „das definitiv so ist“. Die bekannte Metapher vom halb leeren oder halb vollen Glas veranschaulicht das gut. Es hängt von uns selbst ab, ob wir es als halb leer oder halb voll wahrnehmen.

Probleme können  – wie alle unsere Beobachtungen und Wahrnehmungen – als sogenannte subjektive Konstruktionen betrachtet werden. Das bedeutet: als von unserem eigenen Gehirn erzeugte Vorstellung von etwas. Und da beißt sich nun das Ganze systemisch-zirkulär in den Schwanz. Wenn Probleme also nicht als etwas objektiv Beobachtbares bestehen (unterschiedliche Personen nehmen das Gleiche wahr), dann bestehen auch Lösungen nicht als solche, sondern sind  – wie die Probleme auch – als  innere Bilder und deren positive oder negative Bewertungen zu verstehen.

Und in dieser verwirrenden und evtl. etwas ungewohnt oder gar verrückt anmutenden Annahme liegt der wesentliche Vorteil systemischer Arbeitsweise in Beratung, Coaching und Supervision:  Innere Bilder und Bewertungen erzeugen wir selbst (unbewusst) – und können sie somit auch selbst verändern (bewusst). Mit dieser Haltung können wir unser Leben und Erleben deutlich stärker selbst in die Hand nehmen, trauen uns mehr zu und entwicklen ein positiveres Selbstbild.

Kurz gesagt: wir fühlen uns besser und können selbst“bewusster“ Handeln!

Fagrüben, Problemdenkenlls Sie durch diesen Text verwirrt sind, haben Sie Glück. Denn Verwirrung ist ein bewährtes Mittel, für uns als „problematisch“ erlebte Annahmen, Vorstellungen und Bewertungen zu unterbrechen und neue, vielleicht nützlichere zu entdecken.

Bei (Ver)Rückfragen und Anmerkungen melden Sie sich gerne!