Coaching – Beratung – Psychotherapie?

Die Begriffe Psychotherapie, psychologische Beratung und Coaching werden oft sehr unterschiedlich verwendet. Für Ratsuchende ergibt sich daraus unter Umständen die Schwierigkeit, zu entscheiden, welches Angebot für sie passt. Grundsätzlich lässt sich Psychotherapie von Beratung und Coaching dadurch unterscheiden, dass eine Diagnose gestellt wird, die sich auf ein bestimmtes Krankheitsbild bezieht. Deshalb gibt es für Psychotherapie – wie für alle medizinisch anerkannten Therapien – klare gesetzliche Vorgaben und Zulassungsregelungen.

In dem vielfältigen Angebot von Psychotherapie, Beratung und Coaching gibt es viele verschiedene Ansätze, die zur Bearbeitung solcher individueller Fragestellungen, Wünsche und Probleme genutzt werden können. So zum Beispiel Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Psychoanalyse oder auch lösungsorrientierte Kurzzeittherapien. Therapeutische Angebote beziehen sich dabei in der Regel auf psychische oder psychosomatische Krankheitsbilder.

Aber auch, wenn man diagnostisch gesehen gesund ist, gibt es Lebenslagen, in denen man den Bedarf  oder Wunsch nach gezielter Unterstützung und professioneller Begleitung verspürt. Psychologische Beratung oder Coaching sind dann hilfreiche „Werkzeuge“. Ausgebildete Beraterinnen und Berater oder Coaches können diese Hilfestellung fachkundig und qualitativ hochwertig anbieten.

Psychologische Beratung und Coaching sind also nicht originär im medizinischen Umfeld angesiedelt, sondern richten sich eher an Menschen, die professionelle und fachkundige Unterstützung für bestimmte Fragestellungen oder private oder berufliche Situationen suchen. Die Abgrenzung zwischen Beratung und Coaching fällt schwer, da beide Begriffe nicht geschützt sind. Tendenziell hat Beratung einen höheren Anteil an „Ratschlägen und Information“, während Coaching noch stärker auf die Selbstaktivierung der Klientinnen und Klienten – bzw. der Coachees – abzielt. Wobei sicherlich andere Berater/innen und Coaches andere (oder keine) Unterscheidungen treffen.

Qualifikation und Berufsethik von Coaches oder Berater/innen

Da wie gesagt die Begriffe psychologische Beratung und Coaching nicht geschützt sind, ist es sehr zu empfehlen, sich vorab gründlich über die Arbeitsweise und die Qualifikation der oder des Coachs, Beraters oder Beraterin zu informieren. Orientierung können dabei die Zertifizierungen in Berufsverbänden geben, die jeweils klare Voraussetzungen an die Qualifikation und Zertifizierung der Berater, Beraterinnen und Coaches stellen, die sie im Verband zulassen.

Ich selbst bin zertifizierter Coach der European Association for Supervision and Coaching EASC (europäischer Verband für Supervision und Coaching), deren Qualitässtandards und Ethik ich mich verpflichtet habe.

Laut EASC ist Coaching ein besonderes Beratungskonzept. Im Coaching sollen Menschen dazu angeregt und dabei begleitet werden, eigene Lösungen ihrer Anliegen zu entdecken, zu entwickeln und umzusetzen. Dabei können individuelle Leistungspotenziale erkannt und/oder optimiert und  „gesunde Lebenszusammenhänge“ hergestellt werden. Grundlage für diese Arbeit sind die strengen Ethik-Richtlinien des Verbandes.

Ziele der Ethik-Richtlinien sind u.a.

  • der ethische und rechtliche Schutz von Klienten, Klientinnen (= Coachees) und Coaches oder Supervisanden [z.B. Coach in Ausbildung]
  • die  professionelle Entwicklung der Coaches oder Supervisanden in einer dem Wohl der Klienten und Klientinnen entsprechenden Art und Weise

Die ethischen Grundlagen dafür sind

  • die Würde jedes Menschen zu respektieren
  • keine Diskrimierung nach kultureller und ethnischer Herkunft, nach physiologischem, psychologischem, soziologischem oder ökonomischem Zustand, nach sexueller Präferenz oder anderen Merkmalen
  • Ausübung des Berufs in voller Verantwortung gegenüber den Gesetzen
  • bestmögliche Dienste bereitzustellen und so zu handeln, dass keinem Klienten, keiner Klientin absichtlich oder fahrlässig Schaden zugefügt wird
  • Bei der Klientin, dem Klienten das Bewußtsein der Würde, Autonomie und Verantwortung des Menschen zu wecken und ein Handeln aus diesem Bewußtsein zu fördern.
    (Quelle:Ethik-Richtlinien des Verbandes.)

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